„Hochparterre“ hat den dreigeschossigen Holzbau an der Maiengasse in Basel mit dem bronzenen Hasen ausgezeichnet

Jedes Jahr im Dezember zeichnet das Fachmagazin für Architektur, Planung und Design „Hochparterre“ die besten Bauten und Projekte aus. Für alle Arbeiten, ob über die Ausschreibung oder direkt nominiert, galten zwei Kriterien: Architektur und Landschaftsarchitektur stehen in der Schweiz. Design wird von einer in der Schweiz tätigen Gestalterin entworfen oder von einem Schweizer Fabrikanten hergestellt oder lanciert. Das Werk musste zwischen September 2017 und September 2018 fertiggestellt sein.

In der Kategorie Architektur hat die fünfköpfige Jury im Museum für Gestaltung in Zürich die Wohnüberbauung an der Maiengasse in Basel mit dem Hasen in Bronze gekürt.
Mit dem dreigeschossigen Holzbau haben Esch Sintzel Architekten mitten in der Basler Innenstadt eine nachhaltige Wohnüberbauung realisiert. Auf dem Areal des ehemaligen Werkhofs sind 55 Wohnungen und ein Doppelkindergarten entstanden. Der Neubau zeugt für eine verantwortungsvolle Bauweise. Durch die städtische Verdichtung bietet die Bauherrin, Immobilien Basel-Stadt, einer durchmischten Bewohnerschaft preisgünstiges Wohnen an.

Die Jury sagt
Vorbildlich im Hinterhof
Die Überbauung Maiengasse in Basel zeigt: Verdichten geht auch subtil. Die Stadt schliesst eine Lücke im Blockrand und aktiviert einen Hof fürs Wohnen, inklusive Kindergarten. Die Architekten schlagen den Zwischenraum klug der Stadt zu: Aus einem Hinterhof wird ein Vorplatz.  Sie beziehen die Architektur auf die Schuppen von damals, nobilitieren sie aber fürs Wohnen. Der Holzbau ist sorgfältig detailliert, die Fassade präzis gestaltet, die Grundrisse sind vielfältig entworfen. Das Projekt steht für eine massvolle Verdichtung, die bezahlbar ist und hohe räumliche Qualitäten schafft. Damit die Stadt nicht nur dichter, sondern auch besser wird.

Holzbau
Sämtliche Innen- und Aussenwände hat HUSNER in Holzelementbauweise produziert und montiert. Die Geschossdecken und das Dach wurden von unserem Montageteam vor Ort zusammengebaut. Charakterbildend zeichnen die sichtbaren Balkenlagen und Holzverbindungen den dreigeschossigen Holzbau aus. Um den hohen Anforderungen punkto Erdbebensicherheit zu entsprechen sind die Decken verschraubt. „Für den Anschluss der Balkenlage an den Hauptträger wählte das Planungsteam Schwalbenschwanzverbindungen“, erklärt Fabian Frei, Projektleiter. „In Zusammenarbeit mit dem Ingenieur haben wir diese jedoch wesentlich modifiziert um den geforderten dreissigminütigen Feuerwiderstand von Haupt- und Nebenträger zu erfüllen.“

Den Kindergarten überspannen zwei geschweisste Stahlträger. „Mittels CNC haben wir die Träger in einen massiven Brettschichtholzträger integriert“, sagt Fabian Frei und erklärt, dass sich Holz aufgrund der thermischen Eigenschaften im Brandfall deutlich langsamer als Stahl erwärmt. Die Ummantelung bewirkt eine längere Tragfähigkeit des Stahlträgers und trägt wesentlich zur Erfüllung der Brandschutzvorschriften bei. Die Balkenlage konnte dadurch wieder an den Holzträger angeschossen werden und erzeugt ein einheitliches Deckenbild.

Gebäudehülle
Die hinterlüftete Fassade besteht aus einer vertikalen, sägerohen und druckimprägnierten Fichtenschalung. Sie ist geprägt von Lisenen und Holzbänken mit dazwischenliegenden, flächigen Holzelementen von unterschiedlichen, fein abgestimmten grau-grün Tönen. Durch das natürliche Baumaterial und dezente Farbkonzept gliedert sich der Neubau unauffällig und ruhig in das bestehende Quartier ein.

Planung und Montage
Die Aufbereitung eines 3D-Modells mit BIM-Schnittstellen hat die Planung und Zusammenarbeit mit Architekten und Fachplanern deutlich vereinfacht. «Die Berechnung der Statik und die Planung sämtlicher Gebäudeteile sowie unsere Bestellungen und Terminierungen konnten wir am zentralen Modell ausführen», führt Fabian Frei aus. Nach der Produktion wurde jedes Bauteil beschriftet, auf Wechselpritschen verladen und „just in time“ nach Basel geliefert.

Den rund 120 Meter langen Baukörper hat unser Montageteam in vier Etappen aufgerichtet. Mit diesem Vorgehen war einerseits der Witterungsschutz jederzeit vollumfänglich gewährleistet. Andererseits wirkte sich dies auf eine überschaubarere Planung und einen schnellen Baufortschritt aus, da nachfolgende Handwerksgattungen früher beginnen konnten.

 

Hochparterre Ausgabe 12.18

Modulor Ausgabe 7.18

Marco Rickenbacher, Projektverantwortlicher von Esch Sintzel Architekten und Fabian Frei, Projektleiter HUSNER, erzählen von Visionen, Freuden und Herausforderungen rund um den Neubau an der Maiengasse.

Die Wohnüberbbauung Maiengasse und Hebelstrasse stammt aus einem Wettbewerb, welchen Esch Sintzel Architekten 2013 mit dem Projekt „Cour d’honneur“ gewonnen haben. Verraten Sie uns etwas zu Ihrer Konzeptidee?
MR: Die Wettbewerbsaufgabe lautete bezahlbaren Wohnraum für den breiten Querschnitt der Bevölkerung zu schaffen. Uns hat diese Aufgabe sehr interessiert, da die Stadt Basel sowie auch Zürich einen sehr tiefen Wohnungsleerstand aufweisen. Die letzten Abstimmungen haben bewiesen, dass hier der Schuh drückt. Die Verdichtung ist ein spannendes Thema.
Ausgehend vom Aussenraum haben wir uns mit Cour d’honneur auf den Eingangshof bezogen. So monumental wollten und haben wir jedoch nicht gebaut. Unterschiedliche Typologien  von 1.5 – 6.5 Zimmer-Wohnungen bieten Wohnraum für eine Vielfalt an Bewohner. Die Stimmung des Hinterhofmilieus von früher haben wir mit dem Neubau in Holz wieder aufgenommen. Wir glaubten daran, dass die Akzeptanz mit dem Erzeugen einer ähnlichen Atmosphäre grösser ist, wenn man etwas Gewohntes wiederfindet.

Mussten Sie während der Umsetzung durch die Bauweise mit Holz auch Kompromisse eingehen?
MR: Die Begeisterung für den Holzbau ist gewachsen durch dieses Projekt und die Zusammenarbeit mit HUSNER. Rückblickend muss ich sagen, dass wir bei den Makro-Themen kaum Kompromisse eingehen mussten. Im Detail waren wir beispielsweise gezwungen auf die Installationsebenen an den Aussenwänden zu verzichten. Oder die Fassadenbefestigung erforderte an den Simsen mehr Winkel als uns lieb waren. Wir haben zum ersten Mal einen Holzbau in dieser Grösse geplant. Obwohl wir uns sehr in die Holzbauweise hineindachten, waren wir Laien und haben teilweise naive Ideen entwickelt. Mit HUSNER hatten wir einen Partner, der mit uns immer gute Lösungen gesucht und gefunden hat.

Fabian, Du hast mit dem Bau der Wohnüberbauung an der Maiengasse während knapp einem Jahr ein grosses und anspruchsvolles Projekt geleitet. Worin bestanden für Dich als Holzbauer die grössten Herausforderungen?
FF: Wenn ein Projekt in dieser Grösse auf den Tisch kommt, heisst es erst einmal Überblick verschaffen. Es galt Unmengen an Unterlagen von Architekten, Fachplanern und Statikern so zu ordnen, dass gestartet werden konnte. Die Individualität dieses Projekts mit unzähligen Details erzeugte einen umfangreichen Aufgabenkatalog. Diesen habe ich auf Bauetappen hinunter gebrochen.  Auch Erdbeben- und Brandschutz waren sehr umfangreiche Themen, wo es galt Lösungen zu finden.

Es fällt auf, dass das Mehrfamilienhaus aus vielen unterschiedlichen Wohnungen besteht, die sich in der Geometrie wie auch in der Grösse unterscheiden. Auch liegen die Wohnungen nicht geschossweise übereinander. Keine einfache Aufgabe, oder?
FF: Auf Grund der Verschachtelung des Gebäudes war der Schallschutz eine der Herausforderungen. Einerseits war es unsere Aufgabe das Gebäude in dieser Grösse mit durchlaufenden Dachteilen in sich miteinander zu verbinden. Andererseits erforderte es viele Trennungen um den Schallschutz zu gewährleisten. Diese Individualität spiegelte sich auch in der Werkplanung wieder.

MR: Bereits vor der Ausschreibung haben wir mit Statikern und Bauphysikern punkto Erdbebenaussteifung während einem zweimonatigen Prozess nach einer Lösung gesucht, da sich Schallschutz und Erdbebensicherheit konkurrenzierten.
Dieser Aufwand hat sich jedoch gelohnt, das Resultat überzeugt. Die Schallmessungen zeigen, dass die erforderten Werte eingehalten sind.

Bereits in der frühen Planungsphase haben Sie sich intensiv mit Holzverbindungen auseinander gesetzt. Wurden Ihre Vorstellungen erfüllt?
MR: Esch Sintzel versucht immer die Logik bis auf den Ursprung zu verstehen.
Die Holzbauweise mit gerichteten Strukturen und Holzverbindungen war für uns ein neues Thema. Für uns stellten sich Fragen wie: Wie werden die Hölzer ineinander gefügt? Oder, wie gehen wir mit Verschleissteilen an der Fassade um? Diese Themen haben uns sehr interessiert. Wir wollten die Stabförmigkeit des Holztragwerkes zeigen und sie in den Innenräumen spüren lassen. Über dessen Abhängigkeiten und Erfordernisse waren wir uns nicht bewusst. All die vielen Konstruktionsdetails haben wir erst in der Umsetzung realisiert. Unsere Idee, dass ein Hauptträger wie ein Faden alle Wohnungen miteinander verbindet, haben wir von der Wettbewerbsphase bis zur Fertigstellung verfolgt und umgesetzt.

Im Innern sind die Räume geprägt von sichtbaren Holzoberflächen. Insbesondere fällt die Balkenlage auf, welche sich mit einem Raster von 66 cm durch das ganze Gebäude zieht. Warum haben Sie sich für die Balkenlage entschieden?
MR: Die Bauherrschaft hatte anfänglich etwas Respekt vor dem Holzbau. Mit dem Ingenieur haben wir unterschiedliche Decken punkto Kosten verglichen. Die Balkenlage, als einfachste Deckenkonstruktion überzeugte im Preis, ist akustisch und atmosphärisch sehr interessant und entfaltet sich insbesondere in kleinen Räumen durch die besondere Raumhöhe. Somit bietet sie eine durchwegs spannende Alternative zur verputzen Betondecke. So haben wir uns im Konzept bestätigt gefühlt.

Wie haben sich die Wahl des Deckensystems und dessen Verbindungen auf den Holzbau ausgewirkt?
FF: Die Sichtbalkenlage in Kombination mit der sehr speziellen Trennung der Decken haben eine Vorfabrikation wirtschaftlich nahezu unmöglich gemacht. So haben wir ganz konventionell auf der Baustelle die Einzelteile zusammengebaut. In Bezug auf den Witterungsschutz führte dies jedoch zu besonderen Herausforderungen.

Zeichnet sich hier ein Trend ab - weg von den flächigen – hin zu stabförmigen Bauteilen?
MR: Die Holzbauweise wird künftig sicher ein grosses Thema sein. Grundsätzlich beobachte ich einen Trend weg von bündig, sec und immer gerade. An der Maiengasse war das additive Aneinanderfügen und die einzelnen Elemente bei sich zu lassen unser Credo. Stimmig umgesetzt, ist die sichtbare Balkendecke durchaus eine Alternative zu den vielen verschiedenen Holzdeckensystemen.    

Können Sie uns noch etwas zum Innenraumkonzept erzählen?
MR: Wir fanden es interessant die Materialien und deren Ausdruck in ihrer Natürlichkeit zu belassen und haben die Materialfarbigkeit gesucht. So ist eine Fichtendecke eine Fichtendecke, einzig mit etwas UV-Schutz konserviert.
Frei von Designströmungen haben wir versucht zu entwerfen. Die DNA dieses Hauses ist die Struktur. Dieser Struktur entlang hat sich alles entwickelt, so auch die Fassade.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit HUSNER erlebt?
MR: Da es eine öffentliche Ausschreibung war, hatten wir keinen Einfluss auf die Wahl der Unternehmer. Schnell haben wir gespürt, dass HUSNER sich auf unsere Ideen einlässt und über den Tellerrand hinaus denkt. Dies erleben wir nicht allzu oft und war enorm wichtig für uns. Die Flexibilität für kurzfristige Änderungen war für uns sehr wertvoll. Auch die Präzision in der Ausführung und deine Verbindlichkeit, Fabian, haben wir sehr geschätzt und uns stets in guten Händen gefühlt. Zu den schönsten Momenten zählt das gemeinsame Entwickeln von sinnvollen und manchmal auch pragmatischen Individual-Lösungen.

Fabian, wie hast Du die Zusammenarbeit mit dem Architekten-Team erlebt?
FF: Das Feuer für dieses Projekt habe ich sowohl von Marco wie auch Nicola Wild (Projektleiter bei Esch Sintzel) schnell gespürt. Beide haben sehr besonnen und umgehend Entscheidungen getroffen. Durch ihr ausgesprochen hohes Engagement konnte ich mich jederzeit auf sie verlassen. Es war sehr erfreulich zusammen in regem Austausch an diesem Objekt zu ziehen. So macht es ausserordentlich Spass.

Mittlerweile sind die Wohnungen bezogen. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
MR: Ja, durchaus und ich denke auch die Mieter sind es. Während Führungen durfte ich den einen und anderen kennen lernen. Die durchmischte, lebendige Bewohnerschaft setzt sich aus urbanen Familien, Rentnern, Singles aber auch Studenten zusammen. Sie fühlen sich wohl im Haus. Ich habe nur positives Feedback erhalten.  Ganz besonders freue ich mich, dass der Innenhof von den Mietern angenommen wurde, so wie es zum Wettbewerbskonzept gehörte. Gerne lasse ich die vergangenen Monate Revue passieren. Es waren anstrengende aber auch interessante Zeit. Dass die Resonanz und das Interesse der Bewohner und auch der Fachpresse so positiv sind, freut mich sehr – auch für alle Mitwirkenden.  

Und Du, Fabian?
FF: Mit all seinen Finessen ist die Wohnüberbauung ein sehr gelungenes Projekt mit einem unverwechselbaren Charakter. Das Resultat stimmt mich sehr zufrieden und es erfüllt mich auch mit Stolz, dass ich an einem solch besonderen Projekt in dieser Grösse mitwirken konnte.  Auch unser Montage-Team blickt mit Freude auf diese spannende Herausforderung zurück.

Interview: Karin Rölli  | Fotos: Kuster Frey

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